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Thema: Ryanair

Rapex-Meldungen der EU-Kommission in deutscher Sprache

Ryanair: abgehobener Überflieger?

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Ryanair-Chef Michael O'Leary ist sicher ein erfolgreicher Geschäftsmann. Daran besteht kein Zweifel. Er hat in 15 Jahren aus einer defizitären Regionalfluglinie eine der größten Fluggesellschaften Europas gemacht. Das hat ihm in der Branche Respekt und Neid eingebracht, denn dem Irenen O'Leary geht bei der Geschäftsführung aber jede Vornehme Zurückhaltung abhanden. Mal wir er als „the fighting Irish“ (der kämpfende Ire) bezeichnet mal als "enfant terrible" der Branche.

Grund hierfür sind vor allem die markigen Sprüche um die O'Leary nie verlegen ist: als der ehemalige Lufthansa-Chef einst (in Verkennung der Marktlage) meinte, er räume Ryanair auf dem deutschen Markt keine Chancen ein („sowas will hier keiner“) konterte O'Leary mit den Worten, die Deutschen 'würden sogar mit nackten Eiern über Glasscherben kriechen, um an Ryanair Tickets zu kommen'.

Ryanair: straff, markig, erfolgreich

Eine Zeit lang verhöhnte Ryanair die Konkurrenz – allen voran das Feindbild Lufthansa –mit auf den Flugzeugen aufgedruckten Botschaften wie "Bye bye Latehansa" und "Auf Wiedersehen Lufthansa". Auch mit dem Erzrivalen EasyJet ging Ryanair nicht eben zimperlich um: in einer Ryanair-Anzeigenkampagne wurde mit einem Foto des damaligen Irakischen Informationsministers aus der Regierung unter Sadam Hussein geworben, dem – sonst für haarsträubende Lügen bekannt – der Satz "EasyJet hat die niedrigsten Preise!" in den Mund gelegt wurde. Den "Preiskrieg" mit EasyJet eröffnete O'Leary medienwirksam, indem er 2003 mit einem Panzer aus dem 2. Weltkrieg zum Flughafen London-Luton, dem Sitz von EasyJet, fuhr.Ryanair-Banner

Für "Würze" im Wettbewerb sorgte auch unlängst die Webeaktion von Ryanair, die Passagiere über den Ryanair-Vorschlag für den zukünftigen Chef von Lufthansa abstimmen ließ. Wäre dies nicht schon kess genug, fanden sich auf Vorschlagliste Daniela Katzenberger ("weil billig in ist") oder Lothar Matthäus ("weil er auch an Verlustreichen Projekten fest hält"). Überhaupt scheint "Political Correctness" geradezu verpönt, denn Ryanair wird seit Jahren mit Fotos von unbekleideten Damen im Airline-Magazin unter der Überschrift "The Girls of Ryanair".

Kreativ ist auch die Benennung der Flughäfen, von denen Ryanair operiert: so heißt etwa der Flughafen Memmingen im Ryanair-Jargon "München West" und aus den Provinzairports Hahn, zwischen Bad Kreuznach und Trier, tief im Hunsrück und über 100 km von der Frankfurter City entfernt, wurde Frankfurt-Hahn. Vor Gericht stritt sich Ryanair mit der Wettbewerbszentrale, weil Ryanair in seinen Werbeaussagen aus dem "Verkehrsflughafen Niederrhein", einen ehemaligen Militärflughafen der Royal Air Force unmittelbar vor der niederländischen Grenze den "Flughafen Düsseldorf (Weeze)" machte. Die Richter befanden, dass der erklärende Zusatz, der Flughafen befände, sich 70 Kilometer von Düsseldorf entfernt, ausreichend sei, um eine Irreführung der Verbraucher zu vermeide.

Provinzflughäfen mit großen Namen und klammen Kassen

In Deutschland liegt der Schwerpunkt der Flughafennutzung eindeutig auf Regional- und Provinzflughäfen, die häufig nur mit staatlichen Subventionen am Leben erhalten werden können.

Viele von diesen Flughäfen sind chronisch defizitär, wie der Flughafen Frankfurt-Hahn. Hierfür werden in der Branche insbesondere die niedrigen Gebühren pro Passagier verantwortlich gemacht. Ryanair verhandelt mit diesen Flughäfen äußerst günstige Flughafengebühren pro Passagier von ca. 3 EUR. In der Branche geht man davon aus, dass ein Preis von ca. 7 EUR bis 9 EUR je Passagier kostendeckend ist.

Finanziell schwach auf der Brust ist auch Flughafen "Düsseldorf Weeze". Letzterer hat zwar vor Kurzem (zum ersten Mal seit Jahren) ein positives Geschäftsergebnis vorlegen können, gemessen an den großen Verlusten der vergangenen Jahre fällt dieses Ergebnis aber kaum ins Gewicht. Die öffentliche Hand als Großgläubiger des Provinzflughafens am Niederrhein, hat eigentlich demnächst fällige Forderungen daher trotz des positiven Ergebnisses für mehrere Jahre stunden müssen.

Andere Flughäfen, wie Paderborn-Lippstadt, die sich bewusst gegen eine Zusammenarbeit mit Ryanair ausgesprochen haben, erzielen seit Langem Gewinne.

Subventionsphantasien beflügeln

Seit einiger Zeit gerät die Finanzierungspraxis einiger Regionalflughäfen ins Visier der Europäischen Kommission, die nach einem Anfangsverdacht auf illegale Subventionen und unerlaubter Beihilfen Ermittlungen aufgenommen hat.
Zur Zeit [November 2010] sind zudem Verfahren von konkurrierenden Airlines vor dem BGH anhängig, die u.A. die Finanzierungspraxis im Zusammenhang mit den Flughäfen Lübeck und Frankfurt-Hahn betreffen.
Dies alles – man muss dies unterstreichen –  ist gleichwohl nicht Ryanair anzulasten sondern übermütigen Landrätinnen und Landräten, die in Gutherrenmanier Steuergelder in sinnlose Infrastrukturprojekte gebuttert haben. In Lübeck gab es allerdings eine besondere Situation: dort gab es einen erfolgreichen Bürgerentscheid für die Fortsetzung des Betriebs und der Investitionen in den örtlichen Flughafen, der einen entgegengesetzten Beschluss der Stadtverwaltung rückgängig machte. Dort hatte die Stadtverwaltung beschlossen den defizitären Betrieb des Flughafens einzustellen; der Bürger entschied dort für eine Fortsetzung des Betriebs und eine umfassende Investition.

Die Ryanair-Story ist ohne die EU nicht denkbar

Die Europäische Union veranlasste 1997 eine umfassende Deregulierung des Flugverkehrs. Dadurch wurde es privaten Anbietern möglich ohne größere Hürden innereuropäische Flugverbindungen anzubieten. Dies nutzte Ryanair wie keine andere Airline.
Nachdem die Ryanair über Jahre ohne nennenswerte wirtschaftliche Erfolge geblieben übernahm Michael O'Leary 1993 die Leitung der Airline und wandelte sie radikal. Er übernahm das Konzept „lowest fare / no frill“ (niedrigste Preise/keine Extras) von der amerikanischen Fluglinie Southwestern Airlines. Stellte sofort unrentable Strecken ein und rüstete die gesamte Flotte quasi über Nacht auf nur noch einen Flugzeugtyp um: die Boing 737. Indem nur ein Typ vorhanden war, wurden massiv Schulungs- und Wartungskosten reduziert.

Bei Ryanair gibt es zudem nur Punkt-zu-Punkt-Flüge. Dadurch bedarf es keines Gepäckmanagements und es gibt auch keine Anschlussflüge.

Seit 1997 fliegt Ryanair mit dieser Strategie auf das europäische Festland. Seit 1999 fliegt Ryanair nach Deutschland. Im Jahr 2003 wurde der Konkurrenz Buzz (damals eine wirtschaftlich glücklose Tochter der Niederländischen KLM). Eine geplante Übernahme des ehemaligen irischen Platzhirschen Aer Lingus durch Ryanair untersagte die EU-Kommission 2007 wegen kartellrechtlicher Bedenken.

Nach eigenen Angaben hat Ryanair im März und April die Passagierzahlen auf 10.000 Millionen gesteigert und damit den Rivalen Lufthansa erstmals überholt.

Der Konsument im Schatten des Glanzes?

Im Glanz der unternehmerischen Großtat des Michael O'Leary mehren sich seit einiger Zeit kritische Stimmen. Es scheint, als seien immer mehr Konsumenten von der Schattenseite des Low-Fare-No-Frill-Konzepts betroffen. So wurde gegen Ryanair eine Strafe von 3 Millionen Euro verhängt, weil die Gesellschaft 180 Passagieren während dem Vulkanausbruchs und den darauf folgenden Flugausfällen besonders am Flughafen Rom-Ciampino nicht geholfen haben soll (Bericht im Hamburger Abendblatt).

Stiftung Warentest führte im Jahr 2009 einen Billigflieger-Test durch. bei dem Ryanair im Bereich „Information und Buchung“ auf dem letzten Platz landete (Platz 10 von 10).

Die Wettbewerbszentrale hatte Ryanair bereits 2004 erfolgreich gerichtlich in Anspruch genommen, um eine Rückerstattungsklausel in den AGB des Unternehmens zu kippen, wonach Steuern und Gebühren im Stornierungsfall nicht erstattet werden, obwohl diese Kosten im Stornieurngsfall überhaupt nicht entstehen. Heute verlangt Ryanair eine Gebühr für die Rückerstattung von 20,00 EUR, was häufig dem Rückerstattungspreis entspricht.

Die Catalanische Verbraucherschutzorganisation Agència Catalana del Consum (ACC) stellte Ryanair bei einer Erhebung (PDF in kalanischer Sprache, S. 2) über Kundenbeschwerden bei Flugbuchung über das Internet ein wenig schmeichelhaftes Zeugnis aus: von den 700 Beschwerden entfielen 50 % auf Ryanair. Die Billig-Konkurrenten Vueling, Clickair und EasyJet landeten bei 5 % bis 8 %. Andererseits sagt diese Summe nicht unbedingt entwas über die relative Zahl der Beschwerden aus, da Ryanair mit Abstand die meisten Passagiere befördert.

Auch auf Test-Portalen wie dooyoo.de spaltet sich die Internetcommunity: die Bewertungen fallen entweder äußerst positiv aus oder vernichtend schlecht. Der Schnitt liegt bei 3 von 5 [November 2010]. Ähnlich sieht das Bild bei ciao.de aus.

Subventionsphantasien beflügeln

Seit einiger Zeit gerät die Finanzierungspraxis einiger Regionalflughäfen ins Visier der Europäischen Kommission, die nach einem Anfangsverdacht auf illegale Subventionen und unerlaubter Beihilfen Ermittlungen aufgenommen hat.
Zur Zeit [November 2010] sind zudem Verfahren von konkurrierenden Airlines vor dem BGH anhängig, die u.A. die Finanzierungspraxis im Zusammenhang mit den Flughäfen Lübeck und Frankfurt-Hahn betreffen.
Dies alles – man muss dies unterstreichen –  ist gleichwohl nicht Ryanair anzulasten sondern übermütigen Landrätinnen und Landräten, die in Gutherrenmanier Steuergelder in sinnlose Infrastrukturprojekte gebuttert haben. In Lübeck gab es allerdings eine besondere Situation: dort gab es einen erfolgreichen Bürgerentscheid für die Fortsetzung des Betriebs und der Investitionen in den örtlichen Flughafen, der einen entgegengesetzten Beschluss der Stadtverwaltung rückgängig machte. Dort hatte die Stadtverwaltung beschlossen den defizitären Betrieb des Flughafens einzustellen; der Bürger entschied dort für eine Fortsetzung des Betriebs und eine umfassende Investition.

Die Ryanair-Story ist ohne die EU nicht denkbar

Die Europäische Union veranlasste 1997 eine umfassende Deregulierung des Flugverkehrs. Dadurch wurde es privaten Anbietern möglich ohne größere Hürden innereuropäische Flugverbindungen anzubieten. Dies nutzte Ryanair wie keine andere Airline.
Nachdem die Ryanair über Jahre ohne nennenswerte wirtschaftliche Erfolge geblieben übernahm Michael O'Leary 1993 die Leitung der Airline und wandelte sie radikal. Er übernahm das Konzept „lowest fare / no frill“ (niedrigste Preise/keine Extras) von der amerikanischen Fluglinie Southwestern Airlines. Stellte sofort unrentable Strecken ein und rüstete die gesamte Flotte quasi über Nacht auf nur noch einen Flugzeugtyp um: die Boing 737. Indem nur ein Typ vorhanden war, wurden massiv Schulungs- und Wartungskosten reduziert.

Bei Ryanair gibt es zudem nur Punkt-zu-Punkt-Flüge. Dadurch bedarf es keines Gepäckmanagements und es gibt auch keine Anschlussflüge.

Seit 1997 fliegt Ryanair mit dieser Strategie auf das europäische Festland. Seit 1999 fliegt Ryanair nach Deutschland. Im Jahr 2003 wurde der Konkurrenz Buzz (damals eine wirtschaftlich glücklose Tochter der Niederländischen KLM). Eine geplante Übernahme des ehemaligen irischen Platzhirschen Aer Lingus durch Ryanair untersagte die EU-Kommission 2007 wegen kartellrechtlicher Bedenken.

Nach eigenen Angaben hat Ryanair im März und April die Passagierzahlen auf 10.000 Millionen gesteigert und damit den Rivalen Lufthansa erstmals überholt.

Der Konsument im Schatten des Glanzes?

Im Glanz der unternehmerischen Großtat des Michael O'Leary mehren sich seit einiger Zeit kritische Stimmen. Es scheint, als seien immer mehr Konsumenten von der Schattenseite des Low-Fare-No-Frill-Konzepts betroffen. So wurde gegen Ryanair eine Strafe von 3 Millionen Euro verhängt, weil die Gesellschaft 180 Passagieren während dem Vulkanausbruchs und den darauf folgenden Flugausfällen besonders am Flughafen Rom-Ciampino nicht geholfen haben soll (Bericht im Hamburger Abendblatt).

Stiftung Warentest führte im Jahr 2009 einen Billigflieger-Test durch. bei dem Ryanair im Bereich „Information und Buchung“ auf dem letzten Platz landete (Platz 10 von 10).

Die Wettbewerbszentrale hatte Ryanair bereits 2004 erfolgreich gerichtlich in Anspruch genommen, um eine Rückerstattungsklausel in den AGB des Unternehmens zu kippen, wonach Steuern und Gebühren im Stornierungsfall nicht erstattet werden, obwohl diese Kosten im Stornieurngsfall überhaupt nicht entstehen. Heute verlangt Ryanair eine Gebühr für die Rückerstattung von 20,00 EUR, was häufig dem Rückerstattungspreis entspricht.

Die Catalanische Verbraucherschutzorganisation Agència Catalana del Consum (ACC) stellte Ryanair bei einer Erhebung (PDF in kalanischer Sprache, S. 2) über Kundenbeschwerden bei Flugbuchung über das Internet ein wenig schmeichelhaftes Zeugnis aus: von den 700 Beschwerden entfielen 50 % auf Ryanair. Die Billig-Konkurrenten Vueling, Clickair und EasyJet landeten bei 5 % bis 8 %. Andererseits sagt diese Summe nicht unbedingt entwas über die relative Zahl der Beschwerden aus, da Ryanair mit Abstand die meisten Passagiere befördert.

Auch auf Test-Portalen wie dooyoo.de spaltet sich die Internetcommunity: die Bewertungen fallen entweder äußerst positiv aus oder vernichtend schlecht. Der Schnitt liegt bei 3 von 5 [November 2010]. Ähnlich sieht das Bild bei ciao.de aus.

Wir wollen es wissen

Dem Deutschen Konsumentenbund gehen immer wieder Verbraucherbeschwerden über Ryanair ein. Immer wieder hören wir Beschwerden darüber, dass Passagiere nicht über ihre Rechte nach der Fluggastrechteverordnung bescheid wissen. Wir wollen es nun wissen und haben eine Beschwerdestelle für Ryanair-Passagiere eingerichtet.

Dem Deutschen Konsumentenbund gehen immer wieder Verbraucherbeschwerden über Ryanair ein. Immer wieder hören wir Beschwerden darüber, dass Passagiere nicht über ihre Rechte nach der Fluggastrechteverordnung bescheid wissen. Wir wollen es nun wissen und haben eine Beschwerdestelle für Ryanair-Passagiere und einen Musterbrief für Kundenbeschwerden eingerichtet.

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